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Geschichte der "Imperia"
Seit 1993 hat Konstanz ein neues Wahrzeichen: die Imperia, ein Denkmal, das an eine Kurtisane aus der Zeit des Konstanzer Konzils (1414-1418) erinnern soll. Unübersehbar steht sie hoch über der Einfahrt des Konstanzer Hafens auf dem Turm des Molenkopfs. Damit sie alles im Blick behält, dreht sie sich alle drei Minuten um die eigene Achse. In ihren Händen hält sie die beiden mächtigsten Männer der damaligen Zeit, Kaiser und Papst, die griesgrämig das Panorama betrachten. Den Namen hat Imperia von einer berühmten Kurtisane aus der Zeit der Renaissance erhalten, deren Schönheit sogar von dem Maler Raffael verewigt wurde. Die Initiatoren des Denkmals, der Fremdenverkehrsverein Konstanz, die Bodenseeschiffahrtsbetriebe und der Bodmaner Künstler Peter Lenk, wollten die etwas langweilige Hafeneinfahrt in Konstanz mit dieser frechen Skulptur auffrischen. Der Bildhauer Peter Lenk versteht es immer wieder, das Publikum mit seinen Werken zu provozieren und genießt inzwischen überregionale Bekanntheit. Manchen wird noch die Skulptur "Die Mauergucker" in Erinnerung sein, die Lenk vor vielen Jahren an der Berliner Mauer aufstellen ließ. Die Aufstellung der Imperia erfolgte nicht unwidersprochen. Ein mehrere Monate dauernder heftiger Streit, der auch bundesweites Aufsehen erregte, ging ihr voraus. Es ging zum einen um das Problem von Kunst im öffentlichen Raum und zum anderen darum, ob die Imperia überhaupt Kunst sei. Konservative Kritiker im Gemeinderat und die Kirche stießen sich an der Darstellung einer Prostituierten, die ihre üppigen Reize nur wenig verhüllt zur Schau stellt und überdies noch Papst und Kaiser in wenig schmeichelhafter Ausführung in ihren Händen präsentiert. Da das Konstanzer Konzil für die Stadt als Höhepunkt der Stadtgeschichte geradezu idenditätsstiftend ist, gefiel es auch manchem Konstanzer Bürger nicht, daß an dieses Ereignis ausgerechnet mit Darstellung einer Kurtisane erinnert werden sollte. Sie wollten nichts davon wissen, daß bei dem riesigen Menschenstrom der vor bald 600 Jahren anläßlich des Konzils in die Stadt zog, auch viele dabei waren, die einem zweifelhaften Gewerbe nachgingen. Die Aufregung war beträchtlich und mancher Kritiker hätte die Aufstellung der Imperia gerne verhindert. Um das Verfahren abzukürzen schufen die Initiatoren vollendete Tatsachen und stellten die Imperia in einer Nacht- und Nebelaktion auf. Der Gemeinderat hatte in dieser Angelegenheit nämlich nichts zu sagen, da die Figur auf dem bahneigenen Gelände der Bodenseeschiffahrtsbetriebe errichtet wurde. Bald wurde die Imperia zur touristischen Attraktion am Konstanzer Hafen, millionenfach fotografiert und gefilmt, von Ansichtskarten der Stadt Konstanz ist sie nicht mehr wegzudenken. Die Empörung hat sich gelegt und die Stadt hat sich soweit mit ihr versöhnt, daß sie mittlerweile in den Besitz der städtischen Tourist Information GmbH übergegangen ist. Die Imperia hat der Streit unbeeindruckt gelassen. Sie dreht seither ihre Runden und kündet von der Weltoffenheit und Toleranz der Konstanzer.



