Bodensee & Hegau
Der Bodensee und sein Hinterland: zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Im Frühjahr spazierengehen, Wandern, Radfahren und Rollerbladen/Skaten, im Sommer zusätzlich Wassersport in allen Varianten, der Spätsommer und der Herbst locken mit Fischer-und Weinfesten, im Winter Wandern vor der Kulisse verschneiter Hegauberge - und danach schlemmen Sie sich durch eine Vielzahl von Sternelokalen.
Einen der schönsten Blicke habe man, so heißt es, wenn man von Norden über die Autobahn kommend, den Bodensee zwischen den Hegaubergen hindurchblinken sieht. Das Bodenseegebiet ist eine alte Geschichts- und Kulturlandschaft, in der sich schon die Römer wohlgefühlt haben. Später kamen missionierende Mönche an den Bodensee. Deren Gründungen sind die berühmten Klöster Reichenau und St. Gallen, die für die Geschichte des Abendlandes mit prägend waren. Der Bodensee war, mit Ausnahme des Konstanzer Konzils (1414-1418), nur selten der Schauplatz der großen Geschichte; gleichwohl liegt er im Zentrum Europas.
Der Bodensee liegt im Dreiländereck zwischen Deutschland, der Schweiz und Österreich. Der See verbinde, sagt man, aber er trennt auch. So finden sich hier Menschen aus verschiedenen Kulturen und Lebensarten. Dies zeigt sich daran, dass sich in diesem kleinen Raum eine Vielfalt an Kunst, Kultur und Baugeschichte befindet. Den angenehmsten Niederschlag findet diese Vielfalt in der Küche und der Gastronomie. Diese Kultur ist besonders hoch entwickelt. Deshalb gibt es am Bodensee eine so hohe Dichte von "Sterne"-Restaurants. Schon allein deshalb lohnt es sich, an den See zu reisen.
Aus allen Epochen der Kunstgeschichte finden sich am Bodensee Denkmale. Vor allem die am Bodensee so reiche klösterliche und sakrale Baukunst zeigt sich hier in ihrer ganzen Vielfalt. Der Klosterbezirk von St. Gallen in der Schweiz, im Einzugsbereich des Sees gelegen, ist Kulturerbe der Menschheit; die Insel Reichenau hat dieses Prädikat inzwischen ebenfalls erhalten.
Für Künstler und Schriftsteller war der Bodensee immer ein Anziehungspunkt: der Maler Otto Dix wohnte ebenso am See wie der Schriftsteller Hermann Hesse. Der bekannteste der heute am See lebende Schriftsteller ist Martin Walser, der in seinen Büchern den Bodensee beschrieben hat.
Der Bodensee mit den beiden Seeteilen Ober- und Untersee ist der größte See Deutschlands und der drittgrößte Mitteleuropas. Er ist etwa 70 km lang und seine größte Breite mißt 14,8 km, seine größte Tiefe beträgt 251,8 m. Obwohl er als Voralpensee gilt, sieht man die nahen Alpen nur selten. Gerade an schönen Sommertagen verschwinden sie im Dunst, eine klare Alpensicht gilt allgemein als Vorbote von schlechtem Wetter. Eingebettet ist der See in die von der Eiszeit geformten sanften Hügel. Umweltschutz wird großgeschrieben: Nachdem Mitte der sechziger Jahre der See am Umkippen war, haben umfangreiche Maßnahmen im Umweltschutz dafür gesorgt, dass der See heute Trinkwasserqualität hat. Der Schutz der Natur und des Landschaftsbildes sind selbstverständlich: unter den zahlreichen Naturschutzgebieten sind das Wollmatinger und das Eriskircher Ried wohl die bekanntesten.

Der Hohenkrähen Der Bodensee prägt auch das Klima seiner Region. Der See speichert die Wärme des Sommers, was den Herbst verlängert und die Winter mild macht. Deshalb ist der See auch besonders als Urlaubsort für die Ferien im Herbst geeignet.
Das Bodenseegebiet wird auf Grund der Vielfalt seines Angebots jedem Anspruch gerecht. Für den Kulturbeflissenen bieten sich Kunstdenkmale, Museen und Galerien, für den Aktivurlauber natürlich Wassersport; die Landschaften um den See herum laden zum Wandern ein. Ferien auf dem Bauernhof werden ebenso angeboten wie Kuren. Für Ausflüge bieten sich die nahegelegenen Alpen und der Schwarzwald an. Ein besonderer Vorzug der Ferienlandschaft am Bodensee ist die Familienfreundlichkeit. Der Urlaub am Bodensee ist ein eher ruhiger Urlaub. Wer den Rummel á la Mallorca sucht, ist hier sicherlich falsch.
Konstanz ist die größte Stadt am See und Sitz einer Universität. Entstanden aus einer römischen Siedlung war sie im Mittelalter Reichsstadt und Veranstaltungsort eines Konzils. Konstanz ist von allen Kriegszerstörungen verschont geblieben und deshalb reich an Baudenkmalen. Das auffälligste ist das Münster, dessen Baugeschichte vom 11. bis zum 15. Jahrhundert reicht. Direkt daneben befindet sich der älteste Theaterbau Deutschlands, in dem das kleine, aber feine Stadttheater seinen Sitz hat. Zu einer Erkundung lädt auch die Niederburg, der älteste Stadtteil von Konstanz, ein. In einer der zahlreichen Weinstuben kann man bei einem Glas Wein Erholung finden. Seiner Bedeutung als mittelalterlicher Stadt hat Konstanz zwei bedeutende Museen zu verdanken: Zum einen das Rosgartenmuseum, das sich neben der Stadtgeschichte auch der Kunst- und Kulturgeschichte widmet, zum anderen das Archäologische Landesmuseum, das einen Schwerpunkt in der mittelalterlichen Stadtarchäologie hat. Außerhalb der Stadt befindet sich das Wollmatinger Ried, ein sehr bedeutendes Naturschutzgebiet. Es kann nach Voranmeldung mit einer Führung betreten werden.
Von Konstanz aus verläßt man per Fähre meinen Wahlkreis und besucht die andere Seite des Sees: Meersburg, ein romantisches kleines Städtchen. Der Besuch lohnt sich allein schon wegen der vielen sorgfältig restaurierten Fachwerkhäuser. Das Alte Schloß, in dem die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff einige Jahre gelebt hat, gibt einen Einblick in das Mittelalter, während das Neue Schloß in barockem Glanz erstrahlt. Unter Kennern beliebt ist der Wein, der in Meersburg angebaut wird und den Anlaß zu einem Weinfest gibt, das alljährlich im September in der Stadt gefeiert wird.
Fährt man einige Kilometer durch die Weinberge Richtung Überlingen, so kommt man an der Birnau vorbei, die als schönste Barockkirche am Bodensee gerühmt wird. Nicht weit davon liegt Überlingen, eine Stadt, deren mittelalterliches Bild nur durch wenige moderne Bausünden getrübt wird. Die Stadt wird nicht nur wegen des Stadtbildes besucht, sondern ist auch als Kur- und Kneippbad beliebt.
Gegenüber liegt eine der bekanntesten Touristenattraktionen des Bodensees, die Blumeninsel Mainau, die wieder zum Kreis Konstanz gehört. Mit ihren prachtvollen Park- und Gartenanlagen ist sie eines der meistbesuchten Ziele in Süddeutschland. Begünstigt durch das milde Klima existiert hier sogar eine reiche subtropische Vegetation.
Der kleinere Teil des Bodensees, der Untersee, gilt mit seinem Hinterland, dem Hegau, als der eigentliche Geheimtip.
Hier liegt die größte Insel des Bodensees, die Reichenau. Sie ist nicht so spektakulär wie die Mainau, aber nicht minder bedeutend. Bekannt ist sie den meisten durch ihre Gemüseproduktion. Auf ihr liegen aber Kulturdenkmale, die zu den bedeutendsten nicht nur des Bodenseegebietes gehören. Die Kirche St. Georg gehört zu den ältesten Kirchenbauten in Deutschland und besitzt Fresken aus den 10. Jahrhundert. Das romanische Münster in Mittelzell besitzt eine einzigartige Dachkonstruktion, die bei Restaurierungsarbeiten Ende der sechziger Jahre freigelegt wurde. Aber nicht nur der Kunstliebhaber kommt auf der Reichenau zu seinem Recht. Spaziergänge zwischen Gemüsefeldern und Weingärten bieten nach den Besichtigungen Erholung.
Gegenüber der Reichenau liegt die Höri, ein besonders malerischer Landstrich am Untersee. Neben dem Obst- und Gemüsebau leben die Bewohner hauptsächlich vom Tourismus. Hier lebte der Maler Otto Dix und einige Jahre der Dichter Hermann Hesse. Beiden haben die Hörigemeinden Museen gewidmet. Die Höri ist besonders für Familienferien geeignet. Während im Sommer der Badeurlaub am See bevorzugt wird, eignet sich der Herbst vor allem zum Wandern auf einem gut ausgebauten Wegenetz.
Nordwestlich des Bodensees schließt sich der Hegau an, der durch seine Vulkanberge auffällt. Um die Burgen auf diesen Bergen ranken sich so manche Legenden, wie die des Berggeistes Poppele, der die Wanderer mit seinen Streichen erschreckt. Am beeindruckendsten ist die Festungsruine Hohentwiel bei Singen. Sie wurde Anfang des 19. Jahrhunderts während der napoleonischen Kriege zerstört. Eine Besichtigung ist sehr lohnend und von oben hat man einen wunderschönen Blick hinab zum See oder in den Hegau hinein. Das Erwandern dieser reizvollen Landschaft mit den sanften Hügeln, romantischen Städtchen und stillen Dörfern ist besonders lohnend. Dabei kann man auch Kleinode entdecken, so z.B. eine barocke Kirche des berühmten Baumeisters Peter Thumb in Hilzingen.
Dies war nur eine kleine Auswahl aus den "Highlights", die der Bodensee zu bieten hat. Es gäbe noch viel zu berichten, über die schöne Landschaft, das angenehme, erholsame Klima, die romantischen Städte und Dörfer, die Gastfreundschaft, die Wein- und Erntefeste, die gerade im Herbst allerorten stattfinden. Am besten ist es, man überzeugt sich selbst. Aber Vorsicht: wer einmal hierher kommt, kommt immer wieder.






